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Letzte Woche habe ich über den MSCI World Index und dessen Zusammensetzung geschrieben. Auffällig dabei war, dass der Anteil der USA mit über 58% relativ hoch erscheint. Das resultiert daraus, dass dieser Index (so wie die meisten anderen auch) kapitalmarktgewichtet ist, dh. Unternehmen, die viel wert sind, haben eine größere Gewichtung als solche, die wenig wert sind. Und in den USA sind nun mal die wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt beheimatet.

Sind die 58% US-Anteil historisch gesehen viel?

Bei der Suche nach der Antwort auf diese Frage habe ich eine Grafik in einem Artikel von Vanguard, einem großen Indexfondsanbieter, gefunden (Global equities: Balancing home bias and diversification, pdf, englisch). Sie zeigt bis 1987 den Anteil von US-Aktien (blau) am MSCI World Index und danach am MSCI All Country World Index (ACWI), der auch Schwellenländer beinhaltet. Der ACWI besteht derzeit zu rund 53% aus US-Aktien.
anteil us aktien
(Quelle: vanguard.com)

Man sieht, dass in den letzten 46 Jahren amerikanische Unternehmen zumeist einen hohen Anteil hatten. Der Zeitraum, in dem der Anteil unter 40% betrug, überschneidet sich mit der Aktienblase in Japan (1986 bis 1991), als japanische Aktien einen Anteil von bis zu 50% am Weltindex erreichten (erst 1998 fiel der Anteil wieder unter 20%).
Ähnliches passierte im Jahr 2000, als während der Dotcom-Blase Aktien von Informationstechnologieunternehmen ihren Sektor-Anteil am S&P 500 plötzlich auf über 30% verdoppelten (derzeit rd. 21%).

Es zeigt sich also, dass die Gewichtung nach Marktkapitalisierung in Übertreibungsphasen so ihre Nachteile hat. Umso wichtiger ist es ein regelmäßiges Rebalancing zwischen dem Risikoanteil (z.B. Aktien) und dem risikoarmen Anteil (z.B. Staatsanleihen) eines passiven ETF-Portfolios durchzuführen.

Eine Alternative könnte sogenanntes „Fundamental Indexing“ sein, bei dem die Gewichtung nach den Unternehmenskennzahlen Umsatz, Cashflow, Dividende und Buchwert erfolgt. Dies soll die Auswirkungen von Übertreibungen verringern und dadurch zu einer höheren Rendite führen. Demgegenüber stehen aber höhere laufende Kosten, die jedenfalls die Rendite negativ beeinflussen.

Die nachfolgende Grafik vergleicht einen ETF, der auf einem fundamental gewichteten Weltindex basiert (PowerShares FTSE RAFI Developed 1000 UCITS ETF, TER 0,50%) mit einem nach Marktkapitalisierung gewichteten (Lyxor UCITS ETF (FCP) MSCI World D-EUR, TER 0,30%). Beide beinhalten Aktien entwickelter Märkte und schütten Dividenden aus.
chart-2

(Quelle: justetf.com)

Der alternativ gewichtete ETF hat seit 2008 eine um rund 9% schlechtere Rendite abgeliefert, wobei beide eine Wertsteigerung von über 50% aufweisen. Beweist jetzt zwar auch nichts, aber seit 2008 war da nicht viel Unterschied festzustellen.

Laut den Untersuchungen (pdf, englisch) von Research Affiliates – einem Unternehmen, das fundamental gewichtete Indizes anbietet – soll jedoch in entwickelten Märkten eine Überrendite von durchschnittlich 2% pro Jahr erreicht werden (voraussichtlich vor Kosten).

Um abschließend wieder zum Thema dieses Beitrags zurückzukehren: Der US-Anteil am FTSE RAFI Developed 1000 Index beträgt derzeit übrigens 44,6%.

Zum Weiterlesen:
Fundamental Indexing: Intelligentere Gewichtungen (institutional-money.com)
Alternative Gewichtungsmethoden im Vergleich (der-privatanleger.de)
Fundamental Indexing in the Real World (canadiancouchpotato.com, englisch)

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