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Vor ein paar Wochen hat Bondora, die estnische p2p-Kreditplattform, ihr Ratingsystem zur Beurteilung ihrer Darlehensnehmer umgestellt. Bisher wurde nach dem freien verfügbaren Einkommen (A, B oder C) und vor wievielen Monaten etwaige Rückzahlungsprobleme gelöst wurden (1000, 900, 800, …, 600), wobei A1000 als das Rating mit der geringsten Ausfallswahrscheinlichkeit angesehen wurde. Allerdings hat ein A1000 Darlehen aus Spanien oder Finnland erfahrungsgemäß ein höheres Risiko als ein A1000 Darlehen aus Estland. Im neuen Ratingsystem ist dieses Länderrisiko und andere Faktoren bereits in das Rating eingearbeitet.

Die folgende Tabelle zeigt die erwarteten Verlustkorridore der neuen Ratingklassen und die entsprechenden Verzinsungen:

rating neu 3(Quelle: bondora blog)

Im letzten Jahr habe ich mir ein Portfolio aufgebaut, das hauptsächlich aus estnischen A1000 Darlehen besteht, bei denen die Einnahmen und Ausgaben des Darlehensnehmers überprüft wurden. Mittlerweile wurden viele Altdarlehen mit den damaligen Antragsdaten nach dem neuen System bewertet. Dabei hat sich herausgestellt, das einige meiner A1000-Darlehensanteile vermeintlich nicht so risikoarm sind, wie ich dachte (wobei die Rückzahlungen aber bisher relativ pünktlich erfolgt sind).

Meine ca. 140 estnischen A1000-Darlehen (Einnahmen und Ausgaben überprüft) sind nun wie folgt bewertet:

verteilung risikoklassen neu

Die meisten dieser E, F und HR bewerteten Darlehen weisen nun eine negative erwartete Rendite aus. Diese Darlehensnehmer zahlen also eine nicht risikoadequate Verzinsung. Auf dem Zweitmarkt werde ich die wahrscheinlich nur mit Abschlag los und muss wohl hoffen, dass sie weiter ihre Rückzahlungen leisten. Auf der anderen Seite habe ich aber auch z.B. ein mit A bewertetes Darlehen das eine Verzinsung von 26% aufweist, wobei da zu befürchten ist, dass der Darlehensnehmer eine Umschuldung vornimmt (falls möglich).

Mit dem Ratingsystem wurde auch der Portfolio-Manager zur automatischen Kreditvergabe verändert. Man kann nun allerdings nur mehr die prozentuelle Verteilung seiner Investitionen auf die Ratingklassen sowie die maximale Höhe der Investition pro Ratingklasse festsetzten (und nicht wie führer eine Länderauswahl sowie ob Einnahmen und Ausgaben überprüft wurden). Mein neuer Portfolio-Manager sieht so aus und lässt eine Rendite von ein wenig über 13% (nach Ausfällen) erwarten:

portfoliomanager

Allerdings halte ich die Aufteilung mittlerweile nicht mehr für sehr realitätsnah, da es nicht sehr wahrscheinlich sein wird einen so hohen Anteil an AA-Darlehen zu erhalten.

Seit der Umstellung hat der Manager sechs Darlehensanteile zu meinem Portfolio hinzugefügt.  Davon waren drei ohne Überprüfung der Einnahmen und Ausgaben des Darlehensnehmers und vier von finnischen Darlehensnehmer, die ich bisher aufgrund der höheren Ausfallswahrscheinlichkeit gemieden habe. Fürs erste habe ich den Portfoliomanager pausiert bis ich das neue System besser durchschaue.

Die p2p-Kreditvergabe ist in einer Innovations- und Evolutionsphase, die auch in Zukunft häufige Änderungen und Anpassungen erwarten lässt. Das ist zwar verständlich und führt hoffentlich zu Verbesserungen in Hinblick auf das Rendite/Risiko-Verhältnis, macht es Investoren aber nicht unbedingt leicht.

Zum Weiterlesen:
Bondora führt neues Rating Modell ein (p2p-anlage.de)
Verteilung der Kredite nach Bondora Rating (p2p-anlage.de)
Impact of the new Bondora Rating system (moneyisyourfriend.eu)

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