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Die Immobilien-/Finanz-/Euro-/oderwasauchimmer-Krise hat so einiges an Müll an die Traumstrände der Finanzbranche angeschwemmt: das Schneeballsystem des Bernie Madoff, Liar Loans oder – um beim Vergleich zu bleiben – den einen oder anderen absaufenden geschlossenen Fonds. Da haben sich einige als nicht so risikolos erwiesen, wie sie ursprünglich von Banken und anderen verkauft wurden. So dürfte nicht alle Kunden klar gemacht worden sein, dass es sich bei geschlossenen Fonds um langfristige unternehmerische Beteiligungen mit Totalverlustrisiko handelt. Das kommt auch im Verkaufsgespräch nicht so gut wie „sichere Anlage für die Altersvorsorge„.

Das Problem der „geschlossenen Fonds“-Branche ist ja, dass man zumeist nur von denen zu lesen bekommt, die a) entweder schlecht laufen oder b) sehr kreative Geschäftspraktiken an den Tag legen.

Auf ein ganz besonders schönes Beispiel ist der österreichische „Verein für Konsumenteninformation“ (VKI) bei seinen Recherchen in Holland gestoßen. Ich zitiere aus diepresse.com:

Weil hunderte Beschwerden eingelangt waren, reiste ein VKI-Team nach Holland und ließ die Kaufverträge von mehreren Dutzend Immobilien von MPC-Holland-Fonds im Grundbuch ausheben. „Dabei stießen wir auf ein bemerkenswertes Muster“, sagt VKI-Rechtsexperte Peter Kolba.

Die Bürohäuser hatten am gleichen Tag, kurz bevor sie vom jeweiligen Immobilienfonds erworben wurden, bei demselben Notar bereits einmal den Besitzer gewechselt. „Durch diese geheimen Zwischenkäufe wurden Anleger in Millionenhöhe geschädigt“, behauptet der VKI. So wurde ein Bürogebäude in Rotterdam für 31,35 Millionen Euro vom Holland-Fonds mit der Nummer 53 erworben. Zwei Minuten zuvor hatte eine Firma namens Hanzevast die Liegenschaft um 30 Millionen Euro gekauft. Binnen zwei Minuten hat sich das Bürohaus für den Fonds um 1,35 Millionen Euro verteuert.

Nachdem der VKI Klage eingebracht hat, sind nun die Ermittlungsbehörden am Zug festzustellen, ob da strafrechtlich etwas dran ist oder jemand nur einen ausgesprochen guten Geschäftssinn hatte.

Beim zweiten Beispiel handelt es sich um einen geschlossenen österreichischen Schiffsfonds, der ein gebrauchtes Schiff von einem deutschen Fonds (der selben Unternehmensgruppe) nach neun Jahren für 95% des Neupreises erworben haben soll:

Im Jahr 2006 wurde das Schiff MS „Merkur Sky“ an den für österreichische Anleger aufgelegten Schiffsfonds veräußert. „Der Kaufpreis für das nun bereits 9 Jahre alte, stark renovierungsbedürftige Schiff belief sich auf immer noch 44 Mio. US-$, was bei einem Umrechnungskurs von 1,20 US-$/Euro rund 36,7 Mio. Euro entsprach“, empört sich Anwalt Dr. Wallner, denn „dies sind rund 95% des vom Vorgängerfonds bezahlten Herstellungspreises“.

(Quelle: Presseaussendung einer Rechtsanwaltskanzlei)

Auch hier ist die Optik nicht zum Vorteil des geschlossenen Fonds.

Meine generellen Probleme mit geschlossenen Fonds sind:

  • schwer eine (für mich) ausreichende Diversifikation zu erreichen, um das Totalverlustrisiko zu minimieren (und dabei die Übersicht zu bewahren)
  • hohe Kosten
  • schwer handelbar

Zum Weiterlesen:
Immobilienfonds: Drei Mio. Euro Gewinn in vier Minuten (diepresse.com)
Fondsgesellschaft soll Anleger gezielt getäuscht haben (stern.de)
Geschädigte Investoren fordern ihr Geld zurück (kurier.at)

Zum Weiterschauen:

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