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Interessante Hintergrundinfos aus der Sicht von William Black, einem ehemaligen leitenden Mitarbeiter einer amerikanischen Bankenaufsicht, zur amerikanischen Immobilienkrise, die zur Finanzkrise und schließlich zur Wirtschaftskrise wurde und die Schwächen des Euro-Systems zum Vorschein brachte (zu billiges Geld, das in Spanien in den Immobliensektor und in Griechenland in den Staatssektor floss), zeigt das folgende Video (20 min, englisch).

Ohne zuviel vorweg nehmen zu wollen, das sich wiederholende Rezept um eine Bank auszurauben ist:

  1. Wachse auf Teufel komm raus,
  2. indem man qualitativ fragwürdige Darlehen mit hohen Zinsen vergibt (oder kauft),
  3. während die Bank hoch gehebelt operiert (= geringes Eigenkapital),
  4. und nur geringe Rückstellungen für Darlehensausfälle bildet.

 

 

Die Kernaussagen des Videos:

  • Kosten der letzten Krise für die USA: $ 11.000.000.000.000 (elf Billionen Dollar) und 10 Millionen Jobs,
  • Um zukünftige Finanzkrisen verhindern zu können, muss sichergestellt werden, dass „Control fraud“ (Kontrollbetrug: Der Chef einer Aktiengesellschaft missbraucht seine Macht um die Kontrollmechanismen innerhalb des Unternehmens auszuhöhlen und somit z.B. Bilanzfälschung zu ermöglichen) möglich sind,
  • Wenn man das Rezept in jeder x-beliebigen Bank anwendet, wird man
    1. Rekordgewinne einfahren,
    2. der Chef (CEO) wird umgehend extrem reich aufgrund der aktuellen Bonuskultur,
    3. wird die Bank in der Folge aussergewöhnlich hohe Verluste schreiben und in Konkurs gehen (falls nicht der Steuerzahler einspringt),
  • Bereits 1984 wurde das „Rezept“ bei der Aufarbeitung der Savings&Loan-Krise entdeckt,
  • Die Zutaten für die US-Immobilienblase waren Bewertungsbetrug und Darlehen, die trotz Falschangaben vergeben wurden (Liar-Loans). Gutachter, die den Wert von Häusern bewerteten, wurden von Banken angehalten einen möglichst hohen Wert der Immobilien festzustellen. Solche, die nicht mitspielten und wahrheitsgetreu bewerteten, wurden nicht mehr beauftragt.
  • Der US-Kongress verabschiedete 1994 ein Gesetz, das die Federal Reserve Bank (FED) ermächtigte Liar-Loans zu unterbinden. Nur haben Alan Greenspan und Ben Bernanke (FED-Chefs) dies nicht genützt. Regulierung und Eingriffe in die Wirtschaft waren damals einfach nicht beliebt.
  • Nach der Savings&Loan-Krise wurden 90% der Angeklagten auch verurteilt. Nach der Finanzkrise wurde so gut wie niemand des oberen Managements angeklagt und folglich auch nicht verurteilt.
  • Die Finanzkrise war die erste jungfräuliche Krise, die ohne Zutun des oberen Managements zustande gekommen sein soll.
  • Um zukünftige Krisen zu verhindern, müssen:
    1. die sytemrelevanten Unternehmen (too big to fail) verkleinert werden,
    2. das System der Bonuszahlungen überarbeitet werden,
    3. Regulierung und Kontrolle verbessert und die Quasi-Straffreiheit für „Kontrollbetrug“ aufgehoben werden.

Zum Weiterlesen:
„Die Lehman-Pleite war vorsätzlicher Betrug“ – Interview mit William Black (faz.net)

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