Schlagwörter

, , ,

Als ich gestern den Kurier (österreichische Tageszeitung) auf Seite 9 aufgeschlagen habe, ist mir der Artikel „Sparbücher lösen Tränen aus“ ins Auge gesprungen. Und wie immer dürfen in solchen Artikeln zur Geldanlage verschiedene leitende Angestellte verschiedener österreichischer Banken zu Wort kommen, die dann ihre Botschaften („Kauft (unsere) Investmentfonds“, „Geldanlage ist eine Sache für Profis“) unters Volk bringen.

Redaktionen sind ja prinzipiell unabhängig, trotzdem finde ich es interessant, dass z.B. am Kurier die Raiffeisen Holding NÖ-Wien (aber auch an Sat.1 Österreich) beteiligt ist.

Ich habe mich genötigt gefühlt, dem Kurier mal zu schreiben:

„Liebes Kurier-Team,

Sparbücher lösen Tränen aus, ihr Artikel leider auch: Immer noch lassen Sie regelmäßig Bankproduktverkäufer wie im genannten Artikel Hrn. Nuspl von der Oberbank zu Wort kommen und Unfug von sich geben wie, dass Investmentfonds eine Alternative zum Sparbuch wären. Oder Hrn. Schaufler von der Ersten, bei dem Sie schreiben, dass Fondsmanager im Krisenfall schneller als der einzelne Anleger reagieren könnten.

Mittlerweile gibt es unzählige Studien, die belegen, dass aktive Fondsmanager zum überwiegendem Teil nicht die Kosten, die sie verursachen, wert sind. Und die, die in einem Jahr outperformen, tun das in den darauffolgenden Jahren mit wachsender Wahrscheinlichkeit nicht mehr (sh. z.B. S&P Persistence Scorecard, http://www.spindices.com/documents/research/persistence-scorecard-july-2013.pdf).

„Die Presse“ schafft es mittlerweile in ihren Artikeln zum Vermögensaufbau in Nebensätzen auf ETFs, die Wichtigkeit von Kosten, Risikostreuung, etc. hinzuweisen.

Vielleicht könnten auch Sie in diese Richtung denken und auch andere Experten als die aus der konventionellen Retail-/Investmentfonds-/Bankenbrache zu Wort kommen lassen. Falls es dazu keine in Österreich gibt, könnte man auf Deutschland und Personen wie z.B. Dr. Weber (http://weber.bwl.uni-mannheim.de/de/mitarbeiter/prof_martin_weber/) (ich empfehle auch sein Buch „Genial einfach investieren“ http://www.behavioral-finance.de/9-0-Genial-einfach-investieren.html) oder Dr. Gerd Kommer (https://www.xing.com/profile/Gerd_Kommer, https://www.justetf.com/de/news/musterportfolio/weltportfolio-ansaetze-die-kommer-strategie.html) zurückgreifen.

Außerdem veröffentlichen Sie einmal pro Woche (pro Monat?) diesen Investmentfondsvergleich der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften und küren dabei den „besten“ Fonds des Monats, als ob die Performance in einem einzelnen Monat irgendein Kriterium zu Fondsauswahl wäre. Die Kosten dieser Fonds (Ausgabeaufschlag, Verwaltungsgebühren (leicht bis zu 2% pro Jahr), etc.) fallen in dieser Aufstellung leider wieder unter den Tisch.“

Bin mal auf die Antwort gespannt.

Advertisements