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Wer sich mit Aktien auseinandersetzt, wird früher oder später über das Kurs-Gewinn-Verhältnis stolpern (und jeder der passiv in Aktien-ETFs investieren will, sollte sich auch ein wenig mit Aktien beschäftigen. Immerhin besitzt er dann welche). Dieser Beitrag soll kurz erklären worum es sich dabei handelt und wie ich persönlich dazu stehe.

Aus wikipedia:
„Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) (engl. Price-Earnings-Ratio (PER) oder P/E Ratio) ist eine Kennzahl zur Beurteilung von Aktien. Hierbei wird der Kurs der Aktie in Relation zu dem für den Vergleichszeitraum gegebenen bzw. erwarteten Gewinn je Aktie gesetzt.“

KGV = Kurs der Aktie / Gewinn pro Aktie

Im „Gewinn pro Aktie“ lauert meiner Meinung nach schon die erste Problematik. Welchen Gewinn soll man dort einsetzen? Vom letzten Jahr, einen Durchschnitt der letzten 5 oder 10 Jahre, den prognostizierten Gewinn des nächsten Jahres? Auf den einschlägigen Finanzwebseiten wird meistens der Gewinn der letzten 12 Monate (bzw. letzten 4 Geschäftsquartale) herangezogen.

Hat nun eine Aktie ein KGV von 15, bedeutet das, dass das Unternehmen bei zukünftig unverändertem Gewinn in 15 Jahren den Kaufpreis der Aktie erwirtschaften wird. Da der zukünftige Gewinn natürlich unbekannt ist, kann es auch schneller gehen, länger dauern oder nie eintreffen.
Ein Aktie mit hohem KGV wird folglich oft als „teuer“ bezeichnet und mit niedrigem als „billig“.

Beispiel:
Eine Apple-Aktie kostete Anfang 2006 ca. $76, hatte ein KGV von über 35 und pro Aktie lag Geld am Firmenkonto in der Höhe von $9.36, sodass man eigentlich nur ca. $67 für das Recht auf zukünftige Gewinne bezahlt hätte.  Der Gewinn pro Aktie 2006 betrug $2.78 und in den folgenden Jahren $4.63, $7.47, $10.24, $17.91 und $35.11 (in Summe also $78.14).
Es hat tatsächlich also nicht 35 Jahre gedauert bis Gewinne im Ausmaß des Kaufpreises erwirtschaftet wurden, sondern weniger als 6 Jahre.
(Quelle: asymco.com)

Anfang 2006 konnte natürlich noch niemand wissen, dass Apple 2007 das iPhone vorstellen wird und es erfolgreich sein wird. Aber so ist das an der Börse: Die Zukunft ist ungewiss.

Die Apple-Aktie hat sich also bei einem KGV von 35 als Schnäppchen erwiesen. Derzeit beträgt das KGV ca. 13 und man könnte daraus schließen, dass sie noch ein größeres Schnäppchen als 2006 und somit unterbewertet sein müsste (vielleicht ist sie zur Zeit auch einfach nur fair bewertet, ich weiß es schlichtweg nicht). Man muss aber beachten das eine Aktie auch über lange Zeiträume (vermeintlich) unterbewertet (oder auch – vermeintlich – überbewertet) sein kann.

applepe

(Apple KGV 2004-2014, Quelle: wolfram alpha)

Amazon im Gegensatz dazu hatte in den letzten 5 Quartalen (soweit sie einen Gewinn auswiesen) ein KGV von über 1000.

Langer Beitrag kurz: Auch wenn das KGV sehr beliebt ist, die zugrunde liegenden Daten des Gewinns basieren entweder auf der Vergangenheit oder auf ungewissen Prognosen von Analysten. Es kann daher niemals die einzige Kennzahl zur Beurteilung eines Unternehmens sein.

Das KGV kann auch für Aktienindizes wie den DAX errechnet werden, aber das ist Stoff für einen anderen Beitrag.

Zum Weiterlesen (wer noch nicht genug vom KGV hat):
Kurs-Gewinn-Verhältnis – die Zahl, die Kurse macht (welt.de)

Kommentare und Gedanken zum Thema und Kritik zum Beitrag sind ausdrücklich erwünscht.

ps: Wertpapiere werden in meinen Beiträgen immer nur zur Veranschaulichung einer Thematik genannt. Es ist keine Empfehlung diese  zu handeln oder nicht zu handeln. 

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